CO₂ als Rohstoff: Rohrdorfer kombiniert Abscheidung und Umwandlung

Rohrdorf, 29. April 2026 – Das Rohrdorfer Net Zero Emission-Team hat eine neuartige Technologie für CCU (Carbon Capture and Utilization) entwickelt, die durch Kombination von Abscheidung und Umwandlung in einem Prozessschritt besonders energiesparend ist. Dies gelingt, indem die positiven Eigenschaften der Elektrolyse sowie die Abwärme, die dabei entsteht, zur CO₂-Desorption genutzt werden. Das neuartige Verfahren, mit dem Arbeitstitel iCCE (intensified Carbon Capture and Electrolysis) wird seit Juni 2025 bei Rohrdorfer getestet.
Erzeugung von Synthesegas zu analytischen Zwecken
In der dafür speziell konstruierten Pilotanlage kommt eine von Rohrdorfer entwickelte Elektrolysezelle zum Einsatz, die mit bewährten Prozessschritten der Aminwäsche kombiniert wird. Erzeugt wird ein Synthesegas, bestehend aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Ein möglicher Anwendungsfall für dieses Synthesegas wäre beispielsweise in der Eisenproduktion die Reduktion von Roheisen zu Eisen. Auch Methanol oder Ethylen, zentrale Grundstoffe für die chemische Industrie, könnten daraus produziert werden. Die geringen Mengen, die in Rohrdorf derzeit hergestellt werden, werden hauptsächlich zu analytischen Zwecken verwendet.
Baustein für die Dekarbonisierung
CCU ist ein möglicher Baustein, damit Zement vollständig CO₂-neutral produziert werden kann. Nach dem derzeitigen EU-Emissionshandelsabkommen müssen Unternehmen trotzdem CO₂-Zertifikate kaufen, obwohl daraus Folgeprodukte entstehen. Daher ist CCU für Unternehmen derzeit nicht wirtschaftlich. Rohrdorfer investiert aber bereits in diese Technologie, um für die Zukunft einen Schritt voraus zu sein. Der Hauptfokus liegt aber aktuell auf der Vermeidung von CO₂. Bis zu 60 Prozent CO₂ lassen sich bei der Zementproduktion einsparen, etwa wenn klinkerarme Ersatzrohstoffe oder nicht fossile Brennstoffe eingesetzt werden. Übrig bleiben 40 Prozent an unvermeidbaren Emissionen, die durch das Entsäuern des Gesteins beim Klinkerbrennen entstehen. Das Rohrdorfer Net Zero Emission-Team testet diverse Verfahren, um diese Restemissionen abzuscheiden und in ein Grundprodukt der chemischen Industrie umzuwandeln.
Gezielter Infrastrukturausbau ist Voraussetzung
„Wir testen derzeit mehrere Abscheideverfahren parallel, um eine belastbare Entscheidung treffen zu können, auf welches wir für eine Anlage im industriellen Maßstab setzen“, sagt Dr. Christopher Ehrenberg, technischer Leiter der Sparte Zement. „Sorge bereitet uns der zögerliche Ausbau einer Infrastruktur für den Transport von CO₂ und die konstante Versorgung mit grünem Strom. Beides ist essenziell für uns, sollen wir die vorgegebenen EU-Klimaziele erreichen. Wir sehen hier Bund und Länder in der Pflicht, den Ausbau entschiedener voranzutreiben.“




