Winterrevisionen in Rohrdorf und Gmunden: Neustart für CO₂-reduzierte Zementproduktion

Rohrdorf und Gmunden, 18. März 2026 – Das Anfeuern des Drehrohrofens in den Rohrdorfer Zementwerken markiert den erfolgreichen Abschluss der Winterrevision. Zentraler Bestandteil der jährlichen Revision ist das Ausmauern des Ofeninneren mit hitzebeständigem Feuerfestmaterial. Mit der anvisierten Dekarbonisierung bis 2038 sind die Winterrevisionen mehr und mehr vom Ziel geprägt, CO₂-Emissionen zu verringern. In erster Linie heißt das, den CO₂-reichen Klinker vermeiden oder ersetzen. Dafür fließen neben dem Wissen und Können der Teams aus Technik und Produktion an den Standorten auch das Know-how des Rohrdorfer Net Zero Emission-Teams ein, das zum Teil in Rohrdorf, zum Teil in Gmunden arbeitet.

Bei der rund zweimonatigen Revision in Rohrdorf konnten folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

Die Versuchsanlage für getemperte Tone.
  • Anpassungen an der Versuchsanlage für getemperte Tone
    Getemperte Tone sind als Klinkerersatz ein zentraler Hebel für die CO₂-Reduktion. Die 2025 gebaute Anlage ist die erste ihrer Art, die in ein bestehendes Zementwerk integriert wurde. Die Anpassung an die bestehenden Strukturen ist sehr anspruchsvoll. Der Ofenstillstand konnte genutzt werden, um einige Verbesserungen vorzunehmen. Ziel ist die Anlagenverfügbarkeit und die Qualität des Endprodukts weiter zu verbessern.

  • Optimierung der Alternativbrennstofflinie
    Der Anteil an alternativen Brennstoffen liegt bei unserer Zementherstellung bereits bei rund 85 %. Als alternative Brennstoffe setzen wir zum Beispiel nicht mehr recycelbare Kunststoffreste, Altpapier, Dachpappe oder Altreifenschnitzel ein. Durch Erhöhen von biogenen Anteilen in den Brennstoffen können wir den CO₂-Ausstoß weiter senken. Damit dies reibungslos funktioniert, wurde die Dosierung der Alternativbrennstofflinie neu eingestellt.

  • Generalüberholung der vertikalen Rohmühle
    Alternative Rohstoffe helfen. CO₂-Emissionen zu verringern, beanspruchen aber die vertikale Rohmühle übermäßig. Die Erneuerung von Verschleißteilen im Inneren der Mühle und die Installation eines Drallbrechers zur Energieoptimierung waren daher nötig. Um den Falschlufteintrag zu reduzieren, wurde der Verdampfungskühler umfangreich repariert. Mit der Ertüchtigung der Anlagen kommen wir unserem Ziel, unsere Primärrohstoffe durch 30 Prozent alternative Rohstoffe zu ersetzen, wieder einen großen Schritt näher.

Im Werk Gmunden konnten folgende Arbeiten erfolgreich abgeschlossen werden:

Das neue Abzugsband für die Entladung der Ersatzrohstoffe.
  • Optimierung der Optimierung der Entladestelle für Hüttensand
    Um die Kreislaufwirtschaft zu fördern, setzen wir in Gmunden immer mehr Ersatzrohmaterialien anstelle von natürlichem Kalkstein oder Mergel ein. Für die Entladung der Ersatzrohstoffe (Betonbruch und Ziegelsplitt) wurde seit Jahren die Lkw-Entladestelle für Hüttensand mitgenutzt. Die unterschiedliche Beschaffenheit dieser beiden Materialien führte immer wieder zu Materialaustritten und Verzögerungen bei der Entladung. Durch Neugestaltung des Entladetrichters und des Materialabzugsbandes können beide Materialien künftig schneller und weitgehend störungsfrei entladen werden. Materialaustritte, verbunden mit aufwändigen Reinigungsarbeiten, sollen so vermieden werden.

  • Austausch sämtlicher Filterschläuche des Ofenfilters
    Eine größere Baustelle war der Austausch der gesamten Filterschlauchbestückung des Ofenfilters. Mit den nun eingesetzten 10 Meter langen Filterschläuchen anstelle der 8-Meter-Schläuche wurde die Filterfläche erweitert. Somit kann künftig bei der Mahlung von Kalksteinmehl die Mühlenleistung voll ausgeschöpft werden. Dies bedeutet eine gesteigerte Eigenversorgung des Werkes mit Kalksteinmehl. Das selbst produzierte Steinmehl dient als Zumahlstoff bei der Zementproduktion und ist deutlich günstiger als zugekauftes Kalkmehl.

Die neugestaltete Brennstoffaufgabe auf den Pyrorotor.
  • Umgestaltung der Brennstoffzufuhr zum Pyrorotor
    Für die jährliche CO₂-Bilanz ist ein möglichst geringer spezifischer Wärmeverbrauch des Ofens ein wesentlicher Faktor. Wenn kalte Umgebungsluft, sogenannte Falschluft, in das Ofensystem gelangt, muss diese Luft mit erhitzt werden. Dieser Umstand erhöht die erforderliche Brennstoffmenge und den CO₂-Ausstoß. Ein Einfallstor für Falschluft war in der Vergangenheit die Brennstoffaufgabe auf den Pyrorotor. Bei der Winterreparatur wurde diese Stelle durch den Einbau einer speziellen Dichtschnecke optimiert. Durch diese Investition in Höhe von 550.000 Euro erwarten wir künftig einen deutlich geringeren Wärmeverbrauch und somit eine CO₂-optimierte Klinkerproduktion.

Bei den Winterrevisionen wurde ein mehrstelliger Millionenbetrag investiert, um für den Anlagenbetrieb und die Zementproduktion die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. Die Erfolgsbilanz 2025 spricht für sich: Über 80 % des von Rohrdorfer im vergangenen Jahr ausgelieferten Zements waren bereits klinkerreduziert. Für das laufende Jahr ist man bei Rohrdorfer mehr als zuversichtlich, diesen Trend fortzusetzen.